Bewusste Auszeiten


In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit Nervensystemregulation und mentaler Gesundheit beschäftigt, weil ich selbst erfahren wollte, was uns langfristig guttut. 

Ich habe erlebt, wie wohltuend es sein kann, bewusst Raum zu schaffen – im Außen und im Innen. Dieser Prozess hat mir geholfen, mein Nervensystem Schritt für Schritt besser zu regulieren und bewusster mit meinen Ressourcen umzugehen.

Gleichzeitig habe ich in Gesprächen mit Freunden und in Coachings immer wieder festgestellt:

Viele sehnen sich nach mehr Zeit für sich. Doch wenn diese Zeit dann tatsächlich da ist, fällt es erstaunlich schwer, sie auszuhalten.

Plötzlich entsteht Leere. Und mit ihr oft Unruhe.

Fast automatisch greifen wir zum Smartphone, erledigen noch schnell etwas oder suchen die nächste Ablenkung.


Wir leben in einer Gesellschaft, in der Produktivität, ständige Erreichbarkeit und volle Kalender häufig als Zeichen von Erfolg gelten.


Nichts zu tun fühlt sich für viele ungewohnt an – meist sogar falsch. Schnell tauchen Gedanken auf wie: Ich müsste doch noch etwas Sinnvolles machen.

Doch unser Gehirn braucht genau diese Momente.


Neurowissenschaftliche Forschung zeigt, dass Phasen bewusster Ruhe keine verlorene Zeit sind. Im Gegenteil: In Momenten, in denen wir nicht permanent Informationen verarbeiten oder Aufgaben lösen, wird das sogenannte Default Mode Network aktiv. Dieses Netzwerk unterstützt unter anderem die Verarbeitung von Erlebtem, kreatives Denken, Selbstreflexion und die emotionale Verarbeitung. Unser Gehirn arbeitet also weiter – nur auf eine andere Weise.

Gleichzeitig zeigen Studien, dass die ständige Verfügbarkeit digitaler Reize unsere Aufmerksamkeit belastet. Häufige Unterbrechungen und permanentes Wechseln zwischen Aufgaben können die Konzentrationsfähigkeit verringern, Stress erhöhen und unser Nervensystem dauerhaft in Alarmbereitschaft halten.

Bewusste Auszeiten sind deshalb keine Belohnung nach getaner Arbeit.

Sie sind eine Voraussetzung dafür, langfristig gesund, konzentriert und leistungsfähig zu bleiben.

Vielleicht ist genau das heute deine Einladung:

Nicht noch mehr zu schaffen.

Sondern für einen Moment weniger zu tun.


Ein kleiner Impuls für dich:

Nimm dir heute fünf Minuten.

Nicht länger.

Öffne ein Fenster oder gehe vor die Tür.

Atme langsam ein und wieder aus.

Spüre den Boden unter deinen Füßen. Höre die Geräusche um dich herum, ohne sie zu bewerten.


Und dann frage dich ganz leise:

Wie fühlt es sich an, für einen Moment nichts leisten zu müssen?


Vielleicht bemerkst du Unruhe.

Vielleicht Entspannung.

Vielleicht einfach nur Stille.

Alles darf da sein.


Denn genau in diesen kleinen Momenten bekommt dein Nervensystem die Chance, einen Gang herunterzuschalten.

Oft ist es genau das, was wir in unserem Alltag am dringendsten brauchen. 


Alles Liebe,

Katrin